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Von 1985 bis 1990 unternahm Felix Schwarz mit
seiner Yacht eine Einhand-Weltumseglung.Sie führte Ihn von
Villanueva(Barcelona) über die Kanaren nach Brasilien,der Karibik,
Panamakanal,Galapagos,Tahiti,Fiji Inseln in den indischen Ozean,durch das rote
Meer,Suezkanal zurück nach Villanueva.Das Buch ist im Ostina Verlag erschienen.(ISBN
3-9810482-6-1).
Leseprobe
Die
Straße von Gibraltar ist berüchtigt
durch seine Tidenströme und das
ständig ins Mittelmeer
fließende Atlantikwasser. Es kommt
daher, dass
im
Mittelmeer mehr Wasser verdunstet als durch Regen und Flüsse
als Aus-
gleich hineingelangt. Besondere Tabellen geben die Situation zu jeder Zeit
an. Für einen
schwachmotorisierten Segler ist
es ein Muss,
sich damit
zu
beschäftigen, weil man gegen
diese zum Teil
sehr starke Strömung
keine
Chance hat.
Ich machte mich an einem besonders schönen Nachmittag auf den Weg.
Dank meiner Tabellen klappte es besser als ich gedacht hatte. Gegen Mitternacht
passierte ich den Leuchtturm von Tanger und mein Schifflein spürte
zum ersten Mal den Atlantik.
Hohe weiche Dünung empfing mich im Golf von Cadiz. Zu meinem Leidwesen
befand ich mich in einem der fischreichsten Gewässern Europas.
Massenhaft Fischerboote und ich da mittenmang. Es
dauerte Stunden bis ich
da durch war. Mein UKW-Telefon traute ich mich gar nicht erst einzuschalten.
So konnte ich wenigstens den Schimpfkanonaden der Fischer
entgehen.
Irgendwie
wurden dann die Lichter immer kleiner und ich war alleine in
stockdunkler Nacht. An Schlaf war nicht zu denken, zu neu war für mich das
Gefühl alleine im Ozean zu
schwimmen. Keinen konnte
ich um Rat fragen
und niemandem mitteilen, wie komisch das Gefühl im Bauch ist, welches mit
dem Wort Angst nicht richtig wiedergegeben ist. Gott sei Dank war auch
keiner da, der meine ersten Gehversuche unter die Lupe nahm. Es war
sicher nicht alles astreine Seemannschaft, was sich da tat.
So war es auf der ganzen Reise eine Mischung meiner Gefühle aus Angst,
Stolz und Sehnsucht nach dem Morgengrauen, welche mich immer wieder in
den ersten 3 Tagen nach dem Auslaufen, immer des Nachts nach einem
längeren Hafenaufenthalt,
heimsuchte. Deshalb waren mir auch Kurztrips
von 300 bis 400 Meilen immer unangenehm. Die Seekrankheit in ihrer
typischen Erscheinungsform des unfreiwilligen »Fischefütterns« ist mir auf
der gesamten Reise
erspart geblieben. Manchmal
hatte ich Kopfschmerzen,
oftmals keinen Appetit, auch eine Art Seekrankheit.
Der Morgen kam, die Sonne ging auf und der Tagesablauf begann:
Zähneputzen, waschen und
rasieren - inzwischen kochte
das Teewasser -
frühstücken. All diese Dinge dauern länger als am Festland oder im Hafen,
je nach Wetterlage manchmal bis zu 2 Stunden. Wenn
es zu arg schaukelte,
landeten
schon mal die Marmelade, der Zucker oder das gesamte
Frühstück auf dem Fußboden. Man wird jedoch erfinderisch und mit der Zeit
hatte ich diese Dinge auch bei stürmischem Wetter im Griff.
Der Kurs lautete Madeira, die grüne Insel
im Nordatlantik.
Logge und
Kompaß halfen mir beim Koppeln. Jetzt war es an der Zeit, den Sextanten
aus seiner Kiste zu holen und den ersten Versuch zu starten. Ich muss
gestehen: kein Resultat. Nach meinen Berechnungen befand ich mich
irgendwo auf dem Land.
Obwohl
ich arge Bedenken hatte an der Insel Madaira vorbeizufahren,
beruhigte ich mich jedoch. Es fehlten immerhin noch 500 Meilen bis zum
Landfall. Im schlimmsten Falle ist irgendwo im Westen Land und wenn es
Amerika ist. Das Wetter war gut: Windstärke
3 bis
4 und
ruhige See.
So
hatte ich Zeit, mich bis zum Mittag mit meinem Problem zu beschäftigen.
Ich kam nicht dahinter, wo ich was verkehrt gemacht hatte. Das nautische
Jahrbuch war von diesem Jahr, sowohl Tabellen als auch die Winkelmessung
stimmten einigermassen. Ich habe mehrere Winkel genommen
und dann einen Mittelwert herausgerechnet. Wir hatten zwar auf der Uni
auch höhere Mathematik
und mir
war der
pytagoräische Lehrsatz
auch
heute noch geläufig - aber hier half mir das alles nichts.
Irgendwann
kommt vielleicht ein Schiff vorbei und per Funk da lacht man
gerne in Seglerkreisen über diese
und andere Seglerwitze. Und
siehe da,
schneller als man glaubt, wird man selber zum Hauptdarsteller - also
Koppelnavigation.
Der nächste Tag brachte Regen und Gewitter - keine Sonne - also auch
kein Astrobesteck. Irgendwie war ich heilfroh, ich hatte einen weiteren Tag
Galgenfrist.
Man könnte ja mal
sehen, ob
ein Dampfer in
der Runde ist. Also Radar
angeschaltet und... Menschenskinder in 5 Seemeilen Land auf dem Radarschirm!
Das ist doch unmöglich! Wo bin ich bloß? Bin ich im Kreis gefahren
und jetzt dicht vor der spanischen Küste? Ob der Kompaß nicht funktioniert?
Immerhin habe ich ein Stahlschiff.
Deskompensation und alle möglichen Fragen
stürmten auf mich ein. Der
kalte Schweiß brach mir
aus und
ich sah mich
als totalen
Versager, zum
Seemann einfach ungeeignet und die Geschichte an den Nagel hängen.
Inzwischen war das Land rasend schnell auf mich zugekommen. Ich
stürzte an Deck und da krachte es auch schon. Eine Gewitterfront war über
mir. Mein Radar hatte mich genarrt. Ab jetzt wusste ich, dass dieser
elektronische
Geselle auch Gewitterwolken anzeigt. Welch eine spontane
Erkenntnis, in der Gebrauchsanweisung stand nichts davon.
Drei
Tage war ich nun auf See, die Temperaturen waren mild, obwohl es
doch Januar war. Sicher ist der Golfstrom in der Nähe. Mal sehen, was die
Karten dazu sagen. Jetzt
schien auch wieder die Sonne
Ich kramte meinen Sextanten hervor. Oh Jubel, ich war ca. 300 SM von
Gibraltar entfernt und bis zum Koppelort waren es nur 22 SM. Jetzt alles
festhalten und nach dem Fehler suchen, den ich vorgestern gemacht hatte.
Ich hab.s: Anstatt
abzuziehen hatte
ich hinzugezogen.
In den Tuamotus wäre ich auf einem Riff gesessen.
Irgendeiner hat einmal gesagt: »Der Atlantik ist eine Autobahn. Hinüber
nach Amerika kommt man immer.« Das wusste schon der alte Columbus,
der hätte mich sicher
um meinen First-Class-Sextanten
beneidet und ihn
gegen eine halbe Goldladung eingetauscht.
Nachts kam ein Dampfer dicht an meinen Kurs heran, ein Russe.
»Gospodin Kapitan
poschalusta daite minja Koordinati, minja Sextant ni
rabotait.«
Scheinheiliger ging.s nimmer.
Es war
zwar nicht
der Kapitän
sondern
irgendeiner von der Wache. Aber der brauchte nur seinen Satellitennavigator
abzulesen und mir war, als ob ich einen Buddel Schampus auf einmal ausgetrunken
hätte. Nur 5 SM von meinem Koppelort entfernt, 120 Meilen bis zu
meinem Zielort.
Es wurde Tag, ein bedeutender für mich. Zum ersten Mal könnte ich aus
vollem Herzen »Land in Sicht!« rufen. Aber
es dauerte noch. Man
stiert zum
Horizont und glaubt da etwas zu sehen. Man starrt so lange, bis man leichte
Umrisse erkennen kann. Aber hier war der Wunsch etwas zu sehen zu stark.
Es war eine Täuschung. Erst
2 Stunden
später kam tatsächlich
Land in
Sicht, undramatisch einfach so.
Um Mitternacht fuhr ich in den Hafen von Funchal ein. Müde war ich und
einen gewaltigen Hunger hatte ich auch. Die Anspannungen der letzten für
mich so entscheidenden Tage forderten ihr Recht. Mit diesem Sprung nach
der Insel wurde mir klar, dass, wenn es nicht anders geht, ich die Reise
Einhand, also alleine machen könnte.

Im Vordergrund SY "Altair" in Morea / Tahiti.
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